Familienwappen als kulturelles Gedächtniss

Wer sich mit dem Thema Familienwappen beschäftigt, wird bei Recherchen in Büchern oder dem Internet schon bald dem Begriff „kulturelles Gedächtnis“ begegnen. Forscher, Experten und Hobby-Heraldiker sind sich einig: Familienwappen prägen unser kulturelles Gedächtnis nachhaltig – und das schon seit hunderten von Jahren.

Doch was versteht man eigentlich unter dem „kulturellen Gedächtnis“? Der Begriff geht zurück auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Kulturwissenschaftler Jan und Aleida Assmann, die das kulturelle Gedächtnis als „Sammelbegriff für den jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümlichen Bestand an Wiedergebrauchs-Texten, -Bildern und -Riten […]“ definierten. Wir sind also geprägt vom Wissen der Vergangenheit, Archivierung und Kommunikation fungieren als Identitäts-schaffende Informationsträger. Das mag auf den ersten Blick kompliziert klingen, doch eigentlich sind die Ausführungen von Jan und Aleida Assmann einfach nachzuvollziehen. Sie trennen das kulturelle Gedächtnis streng vom kollektiven (Geschichts-)Wissen und sprechen der Kunst, Bildern, Texten und Riten einen besonderen Wert zu.

Familienwappen stammen aus dem Mittelalter

Auch Familienwappen sind Träger dieser einzigartigen Wertschätzung. Viele Familienwappen stammen aus dem Mittelalter. Sie geben uns die Chance, Rückschlüsse auf längst vergangene Traditionen und Bräuche zu ziehen. Befassen wir uns mit Aufbau, Gestaltung, Farbgebung oder Inschrift alter Familienwappen, haben wir die Möglichkeit, etwas über vergangene Kulturen zu erfahren. In dem Moment, in dem wir uns interessieren oder Fragen stellen, wird das kulturelle Gedächtnis lebendig.

Das kulturelle Gedächtnis ist ein Schatz, über dessen Bewahrung Wissenschaftlich tagtäglich Gedanken machen. Wie können die Schätze unserer Vorfahren für immer erhalten bleiben? Wie soll die Menge an Informationen (zum Beispiel in Form von geschriebener und gemalter Kunst) archiviert werden? Modernste Technologien werden eingesetzt, was jedoch bleibt sind Fragen zur Auswahl, der Finanzierung und dem Raum. Und dann wären da noch wir Menschen. Wir sind es, die entscheiden, was mit den jahrhundertealten, kulturellen Schätzen geschieht. Interessieren wir uns für Familienwappen und Co. oder winken wir beim Thema Kultur dankend ab?

Begeben wir uns gerne und erfolgreich auf Ahnenforschung? Prangt unser altes Familienwappen auf unserem Stammbaum? Wer diese Fragen mit „Ja“ beantworten kann, der sollte sich glücklich schätzen. Ist es nicht ein tolles Gefühl zu wissen, woher man eigentlich stammt?! Familienwappen geben uns eine Identität und ermöglichen uns einen Blick in die Vergangenheit. Darum sollten sie, als Träger des kulturellen Gedächtnisses, unbedingt erhalten werden. Und wer selbst zum Teil des kulturellen Gedächtnisses werden möchte, der sollte dringend darüber nachdenken, sich ein eigenes Familienwappen erstellen zu lassen.